10-03-2014


Es ist immer wieder interessant, die Ausführungen mancher Spezialisten zur Abwicklung einer Erbschaft in Spanien zu lesen. Besonders fiel hier der Artikel einer Anwaltskanzlei aus Madrid auf. Man spricht da ausschließlich von "beweglichem Vermögen " welches der Erblasser hinterlässt. Hier auf Teneriffa haben wir es hauptsächlich mit "unbeweglichem Vermögen" nämlich Immobilien zu tun. Ebenfalls schreibt der Verfasser dieses Artikels, dass der Erbe zur Abwicklung der Erbschaft in Spanien eine Vollmacht benötigt. Von wem ? Vollmachten werden mit dem Tode des Vollmachtgebers in Spanien ungültig. Und selbstverständlich kann der Erbe die Erbschaftsannahme persönlich beim Notar unterschreiben.
Richtig ist, dass der oder die Erben einen Erbschein oder ein seiner Staatsangehörigkeit entsprechendes Dokument benötigen, da noch bis August 2015 das Erbrecht der Staatsangehörigkeit angewandt wird. Danach kann auch das Erbrecht des letzten Wohnsitzes gewählt werden. Dieses Dokument muss mit einer Apostille überbeglaubigt werden, damit es hier anerkannt wird und dann in die spanische Sprache übersetzt werden.
Die Sterbeurkunde sollte eine internationale Todesurkunde sein, denn dann benötigt diese keine Apostille.
Mit dieser Todesurkunde wird beim Zentralen Register eine Anfrage gestellt, ob der Verstorbene ein Testament in Spanien hinterlassen hat. Sollte dies der Falls sein, so erscheinen alle dazu gehörigen Daten auf dem Zertifikat und nun muss eine Ausfertigung dieses Testaments beim entsprechenden Notar angefordert werden. Auch wenn es kein spanisches Testament gibt, muss dieses Zertifikat zur Erbschaftsannahme beim Notar vorgelegt werden.
Bei der Bank beantragt man zunächst ein Zertifikat über die Salden der Konten zum Todestag. Dies geschieht mit der internationalen Todesurkunde und dem Erbschein. Auch dieses Zertifikat wird beim Notar benötigt. Die Bank friert nun den Teil des Guthabens ein, welches dem Erblasser gehörte.
Alle Abbuchungen laufen üblicherweise weiter, Auszahlungen dieses Teils des Guthabens sind nicht möglich, bis die Erbschaftsannahme komplett abgewickelt ist.
Jeder Erbe benötigt eine spanische Steuernummer ( N.I.E. ) die bei der hiesigen National Polizei oder bei einem spanischen Konsulat in Deutschland beantragt werden kann.
Wenn all diese Dokumente vorliegen, können die Erben die Erbschaftsannahme Urkunde vor einem Notar unterschreiben. Dies geht persönlich oder durch notarielle Vollmacht an eine Person vor Ort.
Diese Vollmacht muss den spanischen Gesetzen entsprechen und auch wieder mit einer Apostille überbeglaubigt und übersetzt werden, es sei denn, diese wird von einem spanischen Konsulat ausgefertigt. Dann ist es ein spanisches Dokument.
Nach erfolgter Erbschaftsannahme muss die Erbschaftssteuer bezahlt werden. Dazu benötigt man die Hilfe von Spezialisten, denn es ist für den ausländischen Laien schwer, diese Formulare richtig auszufüllen.
War der Verstorbene ein Nicht-Resident müssen alle Unterlagen im Original und Kopie zur Agencia Tributaria nach Madrid zur Überprüfung geschickt werden. Die Behörde sendet dann die Originale wieder zurück und dann muss alles zur Eintragung zum Grundbuchamt gebracht werden, inklusive des Nachweises, dass die Plus Valia beim entsprechenden Bürgermeisteramt zur Berechnung beantrag wurde.
Nach erfolgter Eintragung und Rückgabe der Originaldokumente kann man zur Bank gehen und die Auflösung der Konten beantragen. Auch hier muss wieder alles im Original und in Kopie vorgelegt werden. Die Banken benötigen zur Freigabe der Konten wieder eine gewisse Zeit zur Überprüfung. Nach Freigabe können die Erben das Geld auf ein Konto ihrer Wahl überweisen lassen.
Wichtig ist, dass die Erbschaftssteuer innerhalb eines halben Jahres nach dem Todestag gezahlt werden muss, sonst werden Strafsteuern fällig. In manchen Fällen kann es aber bis zur Erstellung aller notwendigen Dokumente länger dauern. Man kann eine Fristverlängerung innerhalb der ersten fünf Monate nach dem Tode für ein weiteres halbes Jahr beantragen.
Es ist in jedem Fall angeraten, professionelle Hilfe zu suchen, denn wie Sie sehen, ist dies ein kompliziertes und zeitaufwendiges Verfahren.
Gerne stehen wir Ihnen auch hier zur Verfügung.